Lesung mit Musik: Vererbte Wunden

Sophia Wesner – Stimme

Volker Jänig – Klavier

Woher stammen die Schwierigkeiten Heide Wetzels, den eigenen Lebensweg zu gestalten, , woher die Unfähigkeit ihres Vaters, Frieden mit sich zu schließen? Der zweite Roman „Vererbte Wunden“der Detmolder Autorin Sophia Wesner versucht zu klären, inwiefern die prägenden Erlebnisse der Luise Busse ihr Verhalten als Mutter und Großmutter bestimmt haben. Dazu nimmt der Text ein Frauenleben im Deutschland des  Zwanzigsten Jahrhunderts in den Blick: Leiden an zwei Weltkriegen, Vertreibung oder Flucht, das Fehlen des Mannes in der Familie, wirtschaftliche Not.

Die Eltern verlassen Entrup / Lemgo Anfang des 20. Jahrhunderts in Richtung Westpreußen, wo Luise geboren wird, nach dem Ersten Weltkrieg führt sie der Weg über einen langen Lageraufenthalt nach Ostpreußen, das sie nach dem Zweiten Weltkrieg wiederum in Richtung Lemgo verlässt. Nicht nur der Verlust der Heimat schlägt Wunden in die Seele der Luise Busse. Die engen und erbärmlichen Zustände im Umsiedlungslager, in dem unter traurigen Umständen die eine Schwester stirbt und eine andere Schwester geboren wird, hinterlassen ebenso ihre Spuren wie der Aufstieg und Niedergang des Nationalsozialismus, den sie in einem kleinen pommerschen Dorf erlebt, in dem jeder jeden kennt und beobachtet. Politische Gegensätze entladen ihre Brutalität innerhalb der Gemeinschaft, auch innerhalb der Familie, die größtenteils christlich-unpolitisch ist. 

Ein großer Teil des Romans spielt in Lemgo und fokussiert sich mehr auf die vier Kinder, es wird erzählt, wie sie in Lemgo aufwachsen und später als Erwachsene mit den Erwartungen der Mutter und ihrem Blick auf sie ringen. Denn diese hat Zwietracht unter ihren Kindern gesät, die Töchter herabgewürdigt und die Söhne zu Konkurrenten gemacht. 

Leben weht immer – das ist ein Rilke-Zitat und der letzte Satz dieses lesenswerten Romans. 

Termindetails

Beginn 11. Oktober 2025 | 18:00 Uhr
Ende 11. Oktober 2025 | 20:00 Uhr